Der trockene Sommer zeigt, wie falsch ein Kleinwasserkraftwerk am Mellenbach gewesen wäre. Ein Bach ist kein Stromkabel, und Wasser keine unendliche Ressource.
Der Sommer 2026 führt uns eindrucksvoll vor Augen, wie verletzlich unsere Gewässer sind. Hitze und Trockenheit haben gezeigt, dass auch ein scheinbar wasserreicher Gebirgsbach nicht jederzeit genug Wasser führt.
Genau deshalb müssen wir uns die Frage stellen: Was hätte ein Kleinwasserkraftwerk am Mellenbach in einer solchen Situation eigentlich leisten können – und welchen Preis hätte die Natur dafür bezahlt?
Unsere Antwort als Bürgerinitiative Pro Mellental ist klar: Dieses Projekt hätte absolut keinen Sinn ergeben.
Das geplante Kraftwerk sollte rund 12 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Das klingt zunächst beeindruckend. Doch eine Jahreszahl kann verschleiern, was im entscheidenden Moment passiert: Ein Kraftwerk braucht Wasser, um Strom zu erzeugen. Und gerade dann, wenn Hitze und Trockenheit den Wasserstand drücken, wird die verfügbare Wassermenge zum entscheidenden Faktor. (vorarlberg.ORF.at)
Was nützt ein Kraftwerk, wenn das Wasser fehlt?
Wir sollten aufhören, Wasserkraft ausschließlich mit dem Begriff „erneuerbar“ zu verbinden.
Ja, Wasser ist eine erneuerbare Ressource. Aber ein Fluss ist kein erneuerbares Industrieprodukt.
Der Mellenbach ist ein lebendiger Lebensraum. Er transportiert Wasser, kühlt die Landschaft, versorgt die Uferbereiche und bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Nach den damaligen Planungen wären rund vier Kilometer des Mellenbachs zwischen Wasserfassung und Rückleitung zur Restwasserstrecke geworden. Dadurch hätten sich Wassermenge und Fließverhalten verändert – ebenso Wassertemperatur und die Wasserversorgung der flussnahen Auwälder. (vorarlberg.ORF.at)
Und genau hier liegt der Widerspruch:
Wenn wir in heißen und trockenen Sommern immer deutlicher spüren, dass Wasser knapp werden kann, sollen wir dann ausgerechnet einem der letzten frei fließenden Gebirgsbäche zusätzlich Wasser entnehmen?
Die Natur hätte den Preis bezahlt – für eine vergleichsweise kleine Strommenge
Das geplante Kraftwerk war mit einer Leistung von 3,7 Megawatt und einer erwarteten Jahresproduktion von etwa 12 Gigawattstunden geplant. Doch Strom lässt sich auch anders erzeugen.
Ein intakter, frei fließender Gebirgsbach lässt sich nicht ersetzen.
Ist es wirklich vernünftig, einen natürlichen Flusslauf zu verändern, eine Wasserfassung und eine Druckrohrleitung zu bauen und mehrere Kilometer des Baches zur Restwasserstrecke zu machen, wenn gleichzeitig unsere Sommer heißer und trockener werden? Oder anders gefragt:
Was ist uns ein unveränderter Mellenbach wert?
12 Gigawattstunden lassen sich auf dem Papier berechnen. Der Wert eines lebendigen Flusses lässt sich nicht in Kilowattstunden ausdrücken.
„Erneuerbar“ bedeutet nicht automatisch „ökologisch sinnvoll“
Gerade in Zeiten der Energiewende ist es wichtig, kritisch zu bleiben. Natürlich brauchen wir erneuerbare Energie. Natürlich müssen wir unseren Energieverbrauch reduzieren und fossile Energieträger ersetzen.
Aber die Energiewende darf nicht bedeuten, jeden noch frei fließenden Bach zu verbauen, nur weil sich daraus Strom gewinnen lässt.
Auch der Gewässerökologe Lukas Thuile-Bistarelli von der Universität Innsbruck wies im Zusammenhang mit dem Mellenbach darauf hin, wie wichtig der Schutz der letzten intakten Fließgewässer ist. Der Naturschutzbund beschreibt den Mellenbach als einen der letzten frei fließenden Gebirgsflüsse Vorarlbergs. (vorarlberg.ORF.at)
Genau solche Gewässer sollten wir nicht erst dann schätzen, wenn sie verschwunden sind.
Ein Projekt, das am Ende gar nicht gebraucht wurde
Im Februar 2025 erklärte illwerke vkw, das Projekt nicht weiterzuverfolgen. Ausschlaggebend war unter anderem, dass die Zustimmung der Gemeinde Mellau nicht erreicht werden konnte. Das Unternehmen erklärte damals, man werde Kleinwasserkraftwerke nicht gegen den Willen der Standortgemeinden errichten. (vorarlberg.ORF.at)
Damit wurde eine wichtige Entscheidung getroffen, nicht gegen die Energieversorgung, sondern für eine vernünftige Abwägung zwischen Energiegewinnung und Naturschutz.
Der Sommer 2026 sollte uns eine Lehre sein!
Wenn ein Bach in einem heißen Sommer deutlich weniger Wasser führt, sollte das kein Argument sein, trotzdem möglichst viel Wasser technisch zu nutzen. Es sollte genau das Gegenteil sein.
Es sollte uns zum Nachdenken bringen.
Wir müssen uns fragen, welche Gewässer wir auch in Zukunft noch frei fließen sehen wollen. Wir müssen uns fragen, ob wir jeden Kubikmeter Wasser wirtschaftlich nutzen müssen. Und wir müssen uns fragen, ob es wirklich Fortschritt ist, einen intakten Naturraum technisch zu verändern, obwohl der Nutzen begrenzt ist und die Folgen für das Ökosystem langfristig bleiben können. Der Mellenbach hat uns in diesem Sommer vielleicht mehr gesagt, als jede Studie es könnte:
Wasser ist nicht selbstverständlich.
Und gerade deshalb gehört es geschützt – nicht möglichst vollständig genutzt.
Der Mellenbach ist mehr als eine Kilowattstunde
Wir als Bürgerinitiative Pro Mellental sind überzeugt:
Das Scheitern dieses Kraftwerksprojekts ist kein Rückschritt. Es ist eine Chance.
Eine Chance, zu zeigen, dass Energiepolitik und Naturschutz zusammen gedacht werden können. Eine Chance, die letzten frei fließenden Bäche Vorarlbergs nicht als ungenutztes Energiepotenzial zu betrachten, sondern als das, was sie sind: Wertvolle Lebensräume, Naturerbe und Teil unserer Heimat.
Der Mellenbach braucht keine Turbine.
Er braucht Wasser.
Er braucht Raum.
Und er braucht Menschen, die bereit sind, ihn zu schützen.
